SPUREN IM SAND
150 Jahre Familie Redecker in SWA/Namibia: 1867–2017
Festschrift zum 150-jährigen Gedenken der Ankunft Johann Wilhelm Redeckers in Namibia
Am Wochenende vom 15. – 17. September 2017 versammelten sich über 138 Nachkommen von Johann Wilhelm Redecker und deren Angehörigen auf der Farm Westfalenhof, um das hundertfünfzigjährige Jubiläum der Redecker Familie in Namibia zu feiern.
Wir sind hier auf Westfalenhof zusammengekommen, weil wir Nachfahren von Johann Wilhelm Redecker sind und uns heute noch miteinander verbunden fühlen.
Johann Wilhelm Redecker hatte am 1. Juni 1867 in Otjimbingwe als Landwirt für die Rheinische Mission unter Hugo Hahn seine Tätigkeit begonnen. Von Johann Wilhelm Redecker stammen die in Namibia bekannten Familien Gerdes, Junker, Staby, Stritter, Böhlke, Esslinger, Scriba, Friederich, Seifart, Heinz und Nowack ab.
Einer der Söhne von Johann Wilhelm Redecker war Gottlieb Redecker, Architekt und Regierungsbaumeister, der die Christuskirche, den Tintenpalast und viele andere Gebäude in Namibia entwarf und an deren Bau beteiligt war. Unter seiner Leitung entstand auch die erste Maschinenfabrik (Ochsenwagenfabrik) in Otjimbingwe.
Zur 150-Jahr Feier kamen Familienangehörige aus Amerika, Australien, Neuseeland, Deutschland und Südafrika. Am Freitag reisten die ersten Gäste an und ließen sich rund um das Farmhaus von Westfalenhof mit ihren Zelten und Wohnmobilen nieder. Westfalenhof ist seit 121 Jahren im Besitz der Familie Redecker. Abends nach einem "Bring und Braai" wurde am Lagerfeuer gesungen und es wurden Geschichten erzählt. Am Samstag fing der offizielle Teil der Jubiläumsfeier mit einem Besuch in Otjimbingwe an. Bis zum Mittag hatten alle Gäste sich im Festzelt auf Westfalenhof versammelt und es bekam jeder Zweig der Familie die Gelegenheit, über seine frühe Geschichte in Namibia zu berichten.
Am Sonntagvormittag hielt Pastor Rudolf Schmidt von der Windhoeker Evangelischen Gemeinde einen Gottesdienst. Nach dem Mittagessen machten die meisten Gäste sich auf den Heimweg und bereits am Montagmittag war auf Westfalenhof wieder alles beim Alten, und wenn man nicht dabei gewesen war, hätte man es nicht für möglich gehalten, dass 138 Nachkommen der Familie Redecker noch am vorigen Tag dort versammelt waren.
Fast ein Jahr lang hatte man die Logistik und das Festprogramm geplant und verwirklicht. Ein gelungenes Fest, aber leider doch zu wenig Zeit, um mit den vielen anderen Gästen ausreichend Gedanken und Neuigkeiten auszutauschen.
Wir wissen, dass unseren Vorfahren der christliche Glaube und ein entsprechendes Leben sehr wichtig waren. Viele von uns bemühen sich heute noch, nach dem christlichen Glauben zu leben, auch wenn es heute oft andere Formen annimmt. Doch die Liebe Gottes umfängt uns alle, damals wie heute, und wir können mit Dietrich Bonhoeffer sagen:
Von guten Mächten
wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend um am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.
Unser Beisammensein soll dazu dienen, dass wir Alten die Jungen kennenlernen und umgekehrt natürlich auch und wir wollen uns alle wieder etwas näherkommen.
Als Abschluss frei nach Hans-Erik Staby: "Wer nicht weiß, woher er kommt, weiß auch nicht, wohin er unterwegs ist."
Lebenslauf von Johann Wilhelm Redecker
[19]Johann Wilhelm Redecker (Jöllenbeck, Deutschland, 29. September 1836 – Otjimbingwe, Südwestafrika, 27. Januar 1911) war ein Missionskolonist der Rheinischen Missionsgesellschaft in Südwestafrika, Händler und Vater des ersten Architekten, der im späteren Namibia geboren wurde, Gottlieb Redecker. Dieser war als Staatsarchitekt während der deutschen Kolonialherrschaft für einige der bekanntesten Wahrzeichen Windhoeks verantwortlich, wie den Tintenpalast und die Christuskirche.
Hier ist ein kurzer Überblick über seine Jugend:
Johann Wilhelm Redecker wurde am 29. September 1836 in Jöllenbeck bei Bielefeld geboren. Als er sieben Jahre alt war, starb der Vater und ein halbes Jahr darauf, die Mutter. Die Brüder der Mutter, sie war eine geborene Brünger, nahmen je einen der drei Söhne auf. Einer der drei Brüder war der Stammvater von Klaus und Rolf Redecker. Brünger war Leineweber und hatte eine kleine Landwirtschaft, wo nicht mit Pferden gepflügt wurde, sondern es musste mit der „Schippe“ umgegraben werden. Nach der Konfirmation, als Johann Wilhelm 15 Jahre alt war, sollte er Lehrer werden, weil die Leinenweberei nicht mehr so gut ging. Sein Lehrer riet ihm jedoch ab, weil er sich oft ärgern müsse, so dass er lieber Nachtwächter geworden wäre. Mit 17 wollten er und sein jüngerer Bruder nach Amerika auswandern. Der Pflegevater wollte nichts davon wissen und sagte: Euch Jungens in eurer Blindheit laufen zu lassen, das wäre ja noch schöner! So lernte Johann Wilhelm beim Onkel Landwirtschaft und Leinenweberei.
Mit 21 musste Johann Wilhelm seinen Wehrdienst ableisten. Das waren damals drei Jahre und er trat als Soldat beim Füsilier-Bataillon als Infanterist in Bielefeld ein. Nach einem Jahr kam er ins Lazarett als Sanitäter. Nach dreijähriger Dienstzeit kehrte er ins Haus seiner Pflegeeltern zurück.
Als er 25 Jahre alt war, veranlasste sein Konfirmationspastor, Volkenning, dass er ins Barmer Missionshaus gerufen wurde zum Dienst im Garten und in der Landwirtschaft dort. Nach vier Jahren bat er als Missionar oder im äußeren Dienst angenommen zu werden. Er lernte die holländische und englische Sprache und die Leitung in Barmen beschloss, ihn als Missionslandwirt nach Deutsch-Südwestafrika zu senden.
Redecker betrat am 15. Mai 1867 als einer der Rheinischen Missionskolonisten Walvis Bay. Er sollte den Pioniermissionar Carl Hugo Hahn in der Region unterstützen. Er ließ sich in Omaruru und später in Otjimbingwe nieder, blieb jedoch nach der Zerstörung dieser Missionsstation 1874 als Händler zurück und betrieb in den 1870er Jahren (und wahrscheinlich auch später) sein eigenes Geschäft im Dorf. Einer anderen Darstellung zufolge kam Redecker als Handels-Kolonist im Zusammenhang mit der Wuppertaler Handelsgesellschaft, die von der Rheinischen Missionsgesellschaft gegründet wurde, nach Südwestafrika. 1870 wurde sie in die Missions-Handels-Aktien-Gesellschaft (MHAG) umgewandelt, die Niederlassungen in Otjimbingwe, Walvis Bay, Okahandja, Rehoboth und anderswo hatte. Die Gesellschaft musste liquidiert werden, nachdem sie während des Krieges zwischen den Nama und Herero im Jahr 1880 schwere Verluste erlitten hatte. Redecker und Eduard Hälbich blieben dann als unabhängige Händler und Wagenmacher im Land.
Er war zweimal verheiratet: am 31. März 1869 mit Lina Gronemeyer aus Gütersloh, und 1885 mit Anna Maria Husemann. Insgesamt wurden neun Kinder aus beiden Ehen geboren:
Louise Minette Amalie Gerdes (9. Januar 1870 – Feb. 1952) Gottlieb* Wilhelm Eduard Redecker (30. April 1871 - 21. Januar 1945) Maria Katharina Redecker (24. September 1872 - 3. Oktober 1872) Friedrich Wilhelm Redecker (24. August 1873 - 11. Oktober 1948) Gott Friedr. Wilh. Redecker (24 August. 1873 - 28 Juni 1874) Marie-Luise Junker (1. Mai 1875 – 26. August 1947) Friedrich Eduard Redecker (27. April 1879 - 3. Mai 1933), Mann von Diederike Susanna Redecker; Vater von Friedrich Wilhelm Heinrich (Wilhelm) Redecker Johanna Maria Charlotte Emilie Stritter (7. September 1887 - 17. August 1938) Anna Friederike Amalie Auguste (Frieda) Nowack (28. Oktober 1888 - 17. Juli 1963) Clara Auguste Katharina Amalie (Auguste) Redecker (22. Oktober 1890 - 31. Juli 1963)
Missionar Olpp schrieb das folgende an die Familie Johann Wilhelm Redeckers nach seinem Tod an 27. Januar 1911.
Ich nehme im Geiste teil an Eurem Beisammensein, grüsse Euch herzlich mit meiner lieben Frau und lege diesen bescheidenen Kranz dankbarer Erinnerung in Eure Hände. Freunde, bald wird der Wind auch über unsere Gräber wehen! Unser Leben ist ein kurzer Hauch, lasset uns bereit sein, wie Vater Redecker auch allezeit bereit war, wenn unsere Stunde schlägt, Euer alter Missionar OlppZum Schluss erlaubt mir, dass ich noch den Nachruf aus dem evangelischen Gemeindeblatt und der Deutsch-Südwestafrikanischen Zeitung folgen lasse: gez., J. Olpp
“Einer der letzten Patriarchen unseres Landes, Herr Redecker, ist am Geburtstage des Kaisers, den er herzlich verehrte, nach langem Leiden heimgegangen. Er gehörte mit seinem verstorbenen Freunde Hälbich zu den Kolonisten, die sich im Jahre 1864 mit Missionar Hahn in Otjimbingwe niederliessen, und sein Haus war, ebenso wie das Hälbichsche, jedem alten Kolonisten wohl bekannt. Als Kaufmann und Farmer ist er rastlos tätig gewesen. Oft hat er in den heftigen Kämpfen, die sich zwischen den Hereros und Hottentotten abspielten, schweren Schaden an Hab und Gut erlitten. Aber unverdrossen begann er immer wieder sein Werk. Sein Name wird in der Geschichte des Landes stets mit Ehren genannt werden. Er und die anderen Patriarchen der alten Residenz des Damaralandes sollten uns Jungen allezeit als Vorbild vor Augen stehen. In ihnen finden wir die Tugenden, die zum Aufbau unserer Kolonie unentbehrlich sind, zählen Fleiss, Gottesfurcht und Vaterlandsliebe und die Geschichte ihres Lebens beweist, dass Gottes Segen noch immer auf denen ruht, die der Losung folgen":
"Bete und arbeite!" Ich moechte nun schliessen, um Eure Geduld nicht noch laenger auf die Probe zu stellen. Wenn ich daran denke, wie viele Einzelheiten ich nicht erwähnt habe, dann müsst Ihr zugeben, dass ich mich sehr kurz gefasst habe. Ich denke,wir können dem Andenken an unseren Vorvater nur dann gerecht werden, wenn wir Gott bitten, dass er uns und unseren Nachkommen auch den Glauben an unseren Erlöser Jesus Christus schenke und darin erhalte, wie Gott auch Grossvater Redecker bis an sein seliges Ende in solchen Glauben bewahrt hat.